Erfahrungen

schicksal300x200Erfahrungsberichte über die Erkrankung selbst und den Werdegang sind wichtige Komponenten zur Stärkung der Motivation. Problemfelder die von anderen aufgezeigt werden, wird ihre Prisanz genommen und die positiven Verläufe ermutigen sowohl den Betroffenen selbst, als auch sein Umfeld.
Schicksalsberichte von betrofenen Hirverletzten oder deren Angehörigen veröffentlich wir hier gerne. Berichte erbitten wir unter: info@neuroINDEX .de

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Herzlich Willkommen auf den Seiten des neuroINDEX, der Datenbank rund um die Neurologie

Labyrinth in der NeurologieSuchen Sie Informationen rund um die Themen: Akutversorgung, Frührehabilitation, ambulante Rehabilitation, Pflege, Betreutes Wohnen oder die Pflege zu Hause?

Wir versuchen hier, Sie als Betroffene/Betroffener und Angehörigen durch das Labyrinth der vielschichtigen neurologischen Versorgung, mit Hilfe der dazu notwendigen Informationen zu führen.

Wählen Sie aus einer Unzahl von Neuigkeiten die für Sie relevanten Themen aus. Entscheiden Sie was für Sie im Moment wichtig und hilfreich ist. So z.B.: Selbsthilfe, Rehabilitation oder Forschung …

Sie finden hier auch eine umfassende Datenbank aller in der neurologischen Versorgung in Deutschland notwendiger Adressen. Hier haben Sie die Auswahl die Einrichtung zu finden, die Ihrem Rehaprozess entspricht oder in die Sie oder Ihr Angehöriger demnächst kommt. Untergliedert in die Phasen der neurologischen Rehabilitation können Sie die Einrichtungen entweder als Liste ausgeben lassen oder sich in eine der Karten einzoomen. Besonders hilfreich ist dabei die Umkreissuche.

Interessante Links, aktuelle News und ausführliche Beiträge für Betroffene und pflegende Angehörige runden das Angebot ab.

 

Da dieses System von Betroffenen und Angehörigen entwickelt wurde sind wir natürlich sehr interessiert von Ihnen auch Anregungen zum praktischen Umgang mit dem neiroINDEX zu erhalten. Bitte kontaktieren Sie uns dazu über unsere Mailadresse.

 

 

 

 

 

 

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Phasenmodell im neuroINDEX

Anhand der Versorgungsstruktur für neurologisch Erkrankte, wie sie durch die BAR, Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation (s. Abb. 1) dargestellt, ist der neuroINDEX aufgebaut.

 

Abb 1: aus Empfehlung zur Neurologischen Rehabilitation von Patienten mit
schweren und schwersten Hirnschädigungen in den Phasen B und C, BAR S.16
(Download: BAR)

Die Daten zur Erhebung der am Rehaprozess beteiligten Institutionen sind bekannt. Lücken gibt es vor allem in den nachgelagerten Einrichtungen, wie z. B. den Spezialpflegeeinrichtungen der Phase F, dem ambulanten Bereich, ebenso bei den Daten zur regionalen Versorgung und Selbsthilfe.

Die Vernetzung der regionalen Angebote (bis auf Landkreisebene) mit den vorgelagerten Einrichtungen ist für die lückenlose Versorgung der Betroffenen bei der Entlassung ins häusliche Umfeld extrem wichtig. Zu oft kommt es gerade hier zu einer Schnittstellenproblematik. Fachkundige Anbieter mit den praktischen Informationen speziell für neurologisch Erkrankte sind unerlässlich. Hier wird der neuroINDEX zukünftig wertvolle Hilfe leisten.

Ganz wichtig wird es dabei auch sein, dass der neuroINDEX gut beworden wird, damit nicht nur die Angehörigen und Betroffenen und die angeschlossenen Betratungsstellen davon Kenntnis haben, sondern auch neu Betroffene und deren Angehörige dieses Angebot aufgreifen können.

Falsche Hirntod-Diagnose: Wann ist ein Mensch wirklich tot?

Ist der Hirntod tatsächlich der Tod des Menschen?

Stern TV

sternTV Moderator Steffen Hallaschka

Köln, den 13.01.2015

Sendetermin: 14.01.2015, 22:15 UHR, RTL

Weil ein Organspender womöglich noch lebte, wurde Anfang Dezember 2014 eine OP in einem norddeutschen Krankenhaus abgebrochen. Der Grund: Der Hirntod des Patienten wurde nicht nach den vorgeschrieben Regeln diagnostiziert. Das fiel erst auf, als der Patient auf dem OP-Tisch lag und sein Bauch bereits geöffnet war. Wann ist ein Mensch wirklich tot? Seit langem mahnen Kritiker, dass der Hirntod nicht mit dem Herztod des Menschen gleichgesetzt werden könne. Das sieht auch Karl-Eugen Siegel so. 1991 bricht seine schwangere Frau Gabriele plötzlich auf der Straße zusammen. Sie erleidet eine Hirnblutung und fällt ins Koma. Um der werdenden Mutter bessere Genesungschancen zu geben, raten
die Mediziner zu einem Schwangerschaftsabbruch. Karl-Eugen Siegel lehnt diesen jedoch strikt ab. Nach elf Tagen verschlechtert sich der Zustand seiner Frau dramatisch. Die Ärzte diagnostizieren ihren Hirntod. Das ungeborene Kind aber lebt. Die  vitalen Funktionen von Gabriele Siegel werden künstlich aufrechterhalten. Das Baby wächst heran. Als es auf die Welt kommt, ist Gabriele Siegel bereits 85 Tage lang hirntot. Doch ihr Mann Karl-Eugen Siegel ist heute noch sicher: „Meine Frau hat bis zur Geburt unseres Sohnes gelebt. Hirntot ist nicht gleich tot“. Doch wann ist ein Mensch wirklich tot? Und wer darf ihn überhaupt für tot erklären? Darüber spricht Steffen Hallaschka live mit Experten und Karl-Eugen Siegel.

Quelle: sternTV
Foto: sternTV

Bei Krankenhausreform ist Nordrhein-Westfalen der Gewinner

Qualitätsvorgaben durchgesetzt, Pflege im Blick, Finanzierung verbessert

_Steffens_Quer_2013_300dpiDüsseldorf. den 05.12.2014
Die Ergebnisse der Bund-Länder Arbeitsgruppe für eine Krankenhausreform 2015 bedeuten für Nordrhein-Westfalen eine Chance für eine weitere Verbesserung der Versorgung. Dieses Fazit zieht die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens nach Abschluss der heutigen (5. Dezember 2014) Verhandlungsrunde in Berlin, an der sie als Vertreterin des Landes teilgenommen hat.

„Nordrhein-Westfalen ist der Gewinner in der Bund-Länder AG. Wir haben für unser Bundesland das Bestmögliche erreicht, was innerhalb des vom Bund gesetzten Rahmens möglich war“, erklärte Ministerin Steffens. „Künftig wird bundesweit die Qualität bei der Planung und Finanzierung der Versorgung eine wesentliche Rolle spielen. Was wir in Nordrhein-Westfalen mit unserer Krankenhausplanung erstmals durchgesetzt haben, wird damit bundesweit zum Maßstab. Dies ist nicht nur ein großer Gewinn für die Patientinnen und Patienten, sondern stärkt alle Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem, für die der Qualitätsaspekt schon lange im Vordergrund steht“, so Steffens weiter.

Mit dem neu geschaffenen Strukturfonds können die notwendigen Veränderungen der Krankenhauslandschaft – beispielsweise die Zusammenlegung von Abteilungen (Konzentration auf Stärken / nicht mehr jedes Krankenhaus muss alles anbieten) oder die Gründung neuer Gesundheitszentren – wesentlich vorangebracht werden. 500 Millionen Euro aus der Liquiditätsreserve sollen von den Ländern co-finanziert werden, um insgesamt eine Milliarde Euro zusätzlich zu erreichen. „Dies könnte für Nordrhein-Westfalen ein Anteil von rund 100 Millionen Euro bedeuten“, sagte die Ministerin.

Mit einem – von Nordrhein-Westfalen geforderten – Pflegestellenförderprogramm (vorgesehen sind bundesweit rund 660 Millionen Euro in drei Jahren) können Defizite in der Pflege im Krankenhaus schnell wenigstens zum Teil abgefedert werden. „Da wir immer mehr ältere Patientinnen und Patienten mit Mehrfacherkrankungen und erhöhtem Pflegebedarf haben werden, benötigen die Krankenhäuser dringend mehr Personal. Eine gute Pflege und ausreichend menschliche Zuwendung sind für einen guten Heilungsverlauf unverzichtbar“, betonte die Ministerin. Sie begrüßt vor allem die Entscheidung der Bund-Länder AG, den grundsätzlichen sowie den erhöhten Pflegebedarf von einer Kommission neu ermitteln zu lassen.

Erleichtert zeigte sich die Ministerin, dass endlich die Abschwächung der Ungerechtigkeit bei der Krankenhausfinanzierung auf Grundlage des so genannten Landesbasisfallwerts angegangen werden soll. Der Landesbasisfallwert ist ein Multiplikator für die Bestimmung der Vergütung für Krankenhausleistungen durch die Krankenkassen. Da er bisher in Nordrhein-Westfalen niedriger liegt als beispielsweise in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz, sind die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen gegenüber diesen Ländern finanziell benachteiligt. „Dass Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen für die gleiche Blinddarmoperation rund 200 Euro weniger erhalten als eine Klinik in Rheinland-Pfalz, ist eine große Ungerechtigkeit und ein nicht zu akzeptierender Wettbewerbsnachteil. Bei großen Operationen kann der Unterschied sogar mehrere tausend Euro ausmachen, das muss ein Ende haben“, unterstrich die Ministerin.

Positiv bewertet die Ministerin ebenfalls eine Sonderregelung zur Unterstützung von Krankenhäusern mit einem besonders hohen Anteil an der Notfallversorgung sowie eine besondere Vergütung für Zentren, die als Maximalversorger u.a. mit der Behandlung schwieriger und seltener Krankheiten einen besonderen Beitrag für das Gesundheitssystem leisten. Durch die zahlreichen Maßnahmen profitieren die Universitätskliniken und Maximalversorger an vielen Stellen, durch neue Regelungen beim Sicherstellungszuschlag können Häuser, die für die Versorgungssicherheit notwendig sind, leichter unterstützt werden.

Gewünscht hätte sich Ministerin Steffens eine neue Finanzierungssystematik, bei der sich auch die Kassen an den Investitionen beteiligen und einen Einstieg in eine gemeinsame Planung der ambulanten und stationären Versorgung, um Doppelstrukturen zu vermeiden, Synergien zu nutzen und angesichts des drohenden Personalmangels eine zukunftssichere Planung der Versorgung zu erleichtern. Bisher planen die Länder die stationäre Versorgung (Krankenhäuser). Die ärztliche Selbstverwaltung plant davon unabhängig aufgrund bundesgesetzlicher Regelungen die ambulante Versorgung (niedergelassene Ärztinnen und Ärzte).

„Obwohl aus vielen Gründen eine sektorübergreifende Planung sinnvoll wäre, gibt es dafür leider noch keine Mehrheit“, bedauerte die Ministerin.

 

Quelle: Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Foto: © MGEPA NRW / Ralph Sondermann

Unabhängiger Patientenbeauftragter, wertvoller Ansprechpartner

_Dirk_Meyer_NRW_Patientenbeauftragter Düsseldorf, den 9.12.2014

Immer mehr Menschen suchen Rat und Hilfe beim unabhängigen Patientenbeauftragten der Landesregierung, Dirk Meyer. Im vergangenen Jahr wandten sich rund 1.100 Personen an den Anwalt für die Belange erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen in Nordrhein-Westfalen. Das entspricht einer Zunahme von 23 Prozent gegenüber dem Jahr 2012, in dem die Stelle eingerichtet wurde. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad hat sich der Trend einer verstärkten Kontaktaufnahme in diesem Jahr mit einem erneuten Plus von 15 Prozent weiter fortgesetzt.

„Der Patientenbeauftragte hat sich als guter Ansprechpartner für Menschen mit negativen Erfahrungen im Gesundheitssystem etabliert“, erklärte Ministerin Barbara Steffens heute (9. Dezember 2014) bei Vorstellung der Bilanz des Patientenbeauftragten in Düsseldorf. „Der Wert der Arbeit des Patientenbeauftragten besteht aber nicht nur in Vermittlung konkreter Hilfe für Personen, die sich an ihn wenden. In allen wichtigen Gremien des Gesundheitssystems setzt er sich ebenfalls für eine bessere Wahrnehmung der Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten und einer Stärkung ihrer Rechte ein“, so Steffens weiter.

„Patientenorientierung in der Versorgung ist, anders als vielleicht viele vermuten, kein Selbstläufer“, erklärte der Patientenbeauftragte Dirk Meyer. „Mein Motto ,Menschen zuerst‘ ist deshalb auch nicht trivial, sondern tägliche Mahnung und Herausforderung. Patientenorientierung muss immer wieder thematisiert und durchgesetzt werden: Sowohl individuell für jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten, als auch bei der grundsätzlichen Organisation der Versorgung durch Einbindung von Patientenvertreterinnen und -vertretern in allen relevanten Planungs- und Entscheidungsprozesse“, betonte Meyer.

Deshalb stärkt das Gesundheitsministerium gemeinsam mit Dirk Meyer sowie in Kooperation mit der Krankenhausgesellschaft NRW und dem Landeszentrum Gesundheit auch die zahlreichen ehrenamtlich tätigen Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher, die als unabhängige Stellen für Beschwerden von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern tätig sind. Für sie wurden in diesem Jahr Handlungsempfehlungen entwickelt und Qualifizierungsmaßnahmen und Fortbildungen organisiert.

Bei den an den Patientenbeauftragten Dirk Meyer gerichteten Anfragen und Beschwerden lassen sich drei Schwerpunkte beschreiben:

  • Mangelnde Wertschätzung bei der Behandlung im Krankenhaus.
  • Zu viele Barrieren in der ambulanten Versorgung.
  • Unzureichende Information und Beratung durch Krankenkassen.

Viele Patientinnen und Patienten und deren Angehörige wenden sich an den Patientenbeauftragten mit komplexen Problemlagen nach einem oftmals schon langen – bis dahin erfolglosen – Weg durch die Institutionen. „Wir dürfen die Menschen mit ihren Problemen nicht alleine lassen“, betonte die Ministerin. „Auch deshalb haben wir die Stelle des Patientenbeauftragten eingerichtet.“

Damit Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt der gesundheitlichen Versorgung stehen und ihre Rolle weiter gestärkt werden kann, müssen alle Verantwortlichen ihren Beitrag dazu leisten. „Deshalb freut es mich sehr, dass sich die Akteurinnen und Akteure der gesundheitlichen Selbstverwaltung in der Landesgesundheitskonferenz entschieden haben, Wege für eine bessere Einbeziehung der Patientinnen und Patienten zu finden sowie die Beratung und Orientierung im Gesundheitswesen insgesamt weiter zu verbessern“, sagte die Ministerin.

 

Quelle: Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Foto: © MGEPA NRW / Dirk Meyer

Suche nach dem Bewusstsein

adrian_owenProf. Adrian M. Owen (geb. 17. Mai 1966) ist britischer Neurowissenschaftler, der momentan den Lehrstuhl inCognitive Neuroscience and Imaging“ am „The Brain and Mind Institute“ der University of Western Ontario, Kanada inne hat.

Seine Forschung, die er hier erklärt und demonstriert befasst sich rund um das Bewusstsein komatöser Menschen und wie die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren für eine Ja/Nein Kommunikation verwendet werden kann.

Die eindeutige Zuordnung von Gehirnbildern, z.B. wenn jemand ans Tennisspielen denk und ein anderes Gehirnabbild, wenn jemand aufgefordert wird, einen Rundgang durch die Wohnung zu machen, läßt eine Befragung auch in einem bewegungsunfähigen Zustand (z.B. in: Locked-in-Syndron, Minimalbewusster Zustand) zu.

Die Beispiele von Fragen und Hirnscans zeigen deutlich, dass die Ja/Nein Fragen nicht nur mit Ja und keine Reaktion erfolgen, sondern eindeutig mit dem Muster des Neins!

Wie wichtig für den sonst „eingeschlossenen“ Menschen diese Ja/Nein Befragung ist, zeigt die Mail von Kate:

Lieber Adrian
Ich las den Artikel im Telegraph , und ich stimme Dir zu:  Ja oder Nein-Fragen sind die besten. Ich erinnere mich an eine Physiotherapeutin die mich etwa Oktober 1997 fragte, warum ich so viel Lärm mache. Ich weiß sehr wohl, warum. Ich schrie, weil sie mich durch so viel Schmerz brachten. Wenn sie eine Frage gestellt hätte, die ich mit Ja oder Nein beantworten könnte, ich hätte es erklären können . Ich denke schon, dass sie nicht wusste, warum ich so viel Lärm machte. Ich denke, Ja oder Nein Fragen sollten mehr genutzt werden , sie hätten zeigen können, dass ich mir selbst bewusst war.
Liebe Grüße  Kate

 

Der Vortag wurde Anfang 2011 von poptech hochgeladen und unterliegt dem
Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike License

 

 

 

Webseite:  www.owenlab.uwo.ca

 

Inklusion und neurologische Frührehabilitation in Nordrhein-Westfalen

Mit Ministerin Barbara Steffen

dialog_9_3Am 11.11.2014 fand auf Einladung des Bundesverbandes SHV – FORUM GEHIRN e.V., im Haus Monika, einer Spezialpflegeeinrichtung der Alexianer in Köln, ein Fachtag statt. Die Themenschwerpunkte des Fachtags waren einerseits die besondere Situation der neurologischen Frührehabilitation in NRW als auch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Sinne einer inklusiven Gesellschaft. Eine ganz besondere Ehre und Wertschätzung für die Belange hirnverletzter Menschen war es, dass Ministerin Barbara Steffens persönlich in ihren Ausführungen nicht nur die Ausrichtung des Ministeriums zur Frage der Inklusion, sondern ganz dezidiert die Umsetzungsmodalitäten zur neurologischen Frührehabilitation in NRW deutlich darstellte und gleichzeitig darauf verwies, dass die Umsetzung auf einem schnellen und guten Weg sei.

Bestmögliche Versorgung

„In der Zielrichtung sind wir alle einer Meinung, dass wir die bestmöglichste Versorgung im Akutfall und auch für die anschließende Rehabilitation sicherstellen möchten.“ So die Ministerin zu Beginn ihrer Ausführungen. Die bestmögliche Versorgung auch im Sinne einer inklusiven Gesellschaft.  Selbst für diejenigen, bei denen keine weiteren Verbesserungen mehr möglich sind, forderte sie ein selbstbestimmtes Leben ein. Hier müssen wir ggf. als Gesellschaft auch unsere bisherigen Normen verlassen und Inklusion ganz neu, aus Sicht der Betroffenen betrachten. Aus eigener Erfahrung berichtete sie, welche Steigerung der Lebensqualität z.B. dadurch erzielt wurde, dass ihre an Parkinson erkrankte Mutter, ihr Essen selbstständig mit den Fingern zum Mund führen „durfte“. Wie wichtig diese haptische Erfahrung für den Genuss des Essens für sie war. Gegen die Normen, aber für ein selbstbestimmtes Leben!

Strukturqualität

Ministerin Barbara Steffens sprach erneut deutlich die Zielsetzung des Ministeriums an, durch Vernetzungen die im System bedingten Schnittstellenprobleme anzugehen.
„Es war uns klar, nachdem die Problemlage beschrieben wor­den ist, haben wir viele Akteure an den Tisch geholt … und die Entscheidung getroffen, dass wir diese Vernetzung/Kooperation wollen.“ Daher wurde auch der Krankenhausrahmenplan ver­ändert und Betten für diesen Bereich explizit ausgewiesen.
Durch die Kooperation und die  gemeinsame Planung  zwischen  Akut- und Rehabilitationskliniken soll, so die Ministerin, eine Vernetzung geschaffen werden, die keine neuen Schnittstellenprobleme entstehen lässt. „Ich bin sicher, dass wir mit diesem ersten Schritt die Versorgung massiv verbessern können!“ – resümiert die Ministerin.

Auch versicherte die Ministerin, dass es sich nicht um ein langwieriges Verfahren handelt, „denn  erste Anträge liegen vor“ und auch, dass ganz konkrete Verhandlungen bereits stattfinden. „Da, wo es in der Vergangenheit schon gute Kooperationen gab, da sind wir auf einem schnellen und guten Weg!“

Dr. Julius Siebertz, Leiter der Gruppe 21/Prävention und Versorgung im Ministerium, ging in der Podiumsdiskussion davon aus, dass die ersten Kooperationen zwischen Akut- und Rehakliniken in den nächsten sechs Monaten umgesetzt werden können.

Austherapiert gibt es nicht!

„Selbstständigkeit zu erreichen ist natürlich in der Frühreha und in den Rehaphasen Ziel, aber nicht nur da. Selbstständigkeit zu erhalten ist Bestandteil einer Pflege, die kontinuierlich und immer weiter fortgesetzt werden muss – und auch hier haben wir große Defizite, denn Pflege und unser Pflegesystem und auch das Finanzierungssystem der Pflege, ist nicht darauf ausgelegt.“

Hier ging die Ministerin allgemein auf die Versorgung im Haus Monika ein, einer Einrichtung der Phase F.  Diese Eingliederung einer Spezialpflegeeirichtung in das neurologische Rehabilitationssystem macht deutlich, dass es sich hier nicht um eine Dauerunterbringung für Hirnverletzte handeln sollte, sondern um einen Teil der neurologischen Rehabilitation. Dass auch hier ein Systemmangel besteht, vor allem auch was die Finanzierung dieser Rehaphase anbelangt, machte die Ministerin sehr deutlich: „Pflegebedarfe zu vermeiden oder Pflegebedarfe auch noch zu reduzieren; – pflegebedürftige Menschen wieder in die Selbständigkeit und in das selbstbestimmte Leben zu überführen“ ist nicht Ziel der Pflegefinanzierung, „ansonsten hätten wir eine Anreizfinanzierung, die den Weg in die Selbstständigkeit belohnen würde.“

dialog_9_4aSystembedingte Probleme für die Angehörigen

Auch hier hatte die Ministerin nur anerkennende und wertschätzende Worte für das Engagement in den unterschiedlichen Selbsthilfegruppen und -verbänden und stellte deren Arbeit als eine wichtige Säule im Gesundheitswesen dar. Sie beschrieb eindrücklich die besonderen Problematiken der Angehörigen in diesem sehr heterogen Gesundheitssystem. „Man steht als Angehöriger da und weiß in dieser Lebenssituation, die eine enorm hohe Last bedeutet, nicht, was ist der richtige Weg? Was kann man tun?  … und wenn man dann auch noch erlebt, dass Sektoren nebeneinander stehen, statt miteinander verbunden sind, dann ist das eine Überforderung des Einzelnen. Dieser aber u.U. als pflegender Angehöriger im System eine ganz wichtige Säule ist, um den eigenen Angehörigen mit zu versorgen und die bestmögliche Versorgung darzustellen.“

dialog_9_4bKarl-Eugen Siegel, stellvertretender Vorsitzender ging anschließend mit seinem Vortrag: „Inklusion für Betroffene! – und die Angehörigen?“ genau auf diese Problematik ein. Grundlage jeglicher Inklusion muss die individuelle Befähigmachung, d.h. die Rehabilitation sein. Das neurologische Rehabilitationsmodell, das 1995 von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) erstellt wurde, birgt einige Schnittstellen. Auch wenn in den Empfehlungen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass das Modell in allen Richtungen durchlässig sein soll, so zeigt die Realität, dass dies nicht der Fall ist. Vor allem an den Schnittstellen, an denen ein anderer Kostenträger zuständig wird, zeigen sich z.T. erhebliche Probleme. Siegel ging hier nicht auf diese einzelnen Problemstellungen ein, sondern zeigte anhand eines aktuellen Berichts einer Mutter, die ihren Sohn von der Unfallstelle mit dem Hubschrauber in die Akutklinik, dann 4 Wochen später in ein anderes Bundesland zur Reha begleitete, um ihn dann nach weiteren 4 Wochen, trotz relativ positivem Rehabilitationserfolg in ein Altersheim verlegt zu sehen.
Dieses Beispiel bestätigt die Ausführungen der Ministerin Steffens und zeigt gleichzeitig, dass selbst ein gut funktionierendes Casemanagement in der Akutklinik, die systembedingten Schnittstellenprobleme im Einzelfall nicht beheben kann. Der flächendeckende Aufbau des Casemanagements zur Vermeidung der Schnittstellen ist unsinnig. Das System muss endlich geändert werden. Siegel geht, in der Betrachtung der neurologischen Rehabilitation ganz pragmatisch vor. „Als Arbeitnehmer zahle ich in die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Als Bürger zahle ich Steuern um auf Bundes-, Landes- und Kreisebene Solidarität zu zeigen. Und warum muss ich mich dann selber, im Verlauf der neurologischen Rehabilitation, wenn sie erfolgreich sein soll, darum kümmern, dass es an den Schnittstellen weitergeht?“ Er fordert einen trägerübergreifenden neurologischen Rehaprozess nach dem Beispiel des trägerübergreifenden Persönlichen Budgets. Auch volkswirtschaftlich mache dies absolut Sinn, denn verpasste Chancen haben nicht nur für den Betroffenen erhebliche negative Auswirkungen, sondern sind auch für das System viel zu  teuer.
Um dies umzusetzen braucht es sicherlich noch vielfachen Austausch und Kommunikation mit der Politik. Da das Gespräch untereinander aber eines der wichtigsten Instrumente zur Verständigung und somit zur Umsetzung einer bestmöglichen Rehabilitation und einer erfolgreichen Inklusion ist, möchte Siegel in NRW ein Netzwerk initiieren, in dem alle am neurologischen Rehaprozess Beteiligten mitmachen. „Hier können durchaus allgemeine Problemstellungen, einzelne Fragestellungen, aber auch zukünftige Entwicklungen besprochen und konkret angegangen werden.“ Ziel: Die bestmögliche Versorgung neurologisch Betroffener in NRW sicherzustellen und zwar in allen Phasen, auch im ambulanten und häuslichen Umfeld.

dialog_9_5Situation der neurol. (Früh-) Rehabilitation hängt mit der historischen Entwicklung zusammen

Dr. Markus Ebke, Chefarzt Neurologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, zeigte anhand der geschichtlichen Entwicklung der neurologischen Rehabilitation, dass die Frührehabilitation zunächst von Rehaeinrichtungen geleistet wurde und erst 2001sozialrechtlich an das Akutklinikum angegliedert (s. Schaubild oben) wurde. Das hat dann ab 2004 zur Folge, dass die neurologische Frührehabilitation Bestandteil des DRG-Systems wird.
[Eine verheerende Entwicklung, zumal die Eingangskriterien der folgenden Phase C nicht der verkürzten Phase B (Frühreha) angepasst wurde.  Anm.d.R.].

Inhalte der Frührehabilitation nach BAR

Die Frührehabilitation ist die  Fortführung der in Phase A begonnenen kurativmedizinischen Maßnahmen, inklusive ggf. der erforderlichen intensivmedizinischen Behandlung, außer einer kontrollierten Beatmung.
Weitere Zielsetzungen in der Frühreha sind:

    Kontaktaufnahme über verschiedene sensorische Zugänge mit kontrolliert stimulierender Behandlung
    Kommunikation- und Sprachtherapie, Kau-, Schluck- und Esstraining
    Selbständigkeitstraining auf basaler Ebene

Ferner Intensivpflege und Intensivüber­wachung unter Einschluss von täglich vier bis sechs Stunden Rehabilitationspflege (aktivierender Pflege) mit mehrfach täglicher Visite und insgesamt mehreren Stunden am Tag Funktionstherapie, häufig durch mehrere Therapeuten gleichzeitig.

Dauer der Frührehabilitation nach BAR

In der Regel bis zu sechs Monate, bei besonderer medizinischer Indikation und Prognose auch länger. Wenn bei ungestörtem Therapieverlauf über mindestens acht Wochen kein funktioneller Zugewinn feststellbar ist, ist die Beendigung der Phase B angezeigt. Im begründeten Einzelfall kann die Behandlung auch über einen längeren Zeitraum, unter Berücksichtigung der bisherigen Behandlungsdauer, fortgesetzt werden.
Bei Kindern kann ein wesentlich längerer Zeitraum als acht Wochen erforderlich sein.

Fazit aus unserer Sicht:

Die Situation hinsichtlich der Frührehabilitation in NRW wird sich durch Kooperationen zwischen Akut- und Rehakliniken in den nächsten 6 Monaten zügig umsetzen lassen.
Angehörige und Selbsthilfe sind wichtige Faktoren im Rehabilitationsprozess.
Selbsthilfe könnte neutrale Lotsen stellen.

Karl-Eugen Siegel

Videomitschnitte des Fachtags können hier eingesehen werden:

Roswitha Stille

Vorsitzende SHV-FORUM GEHIRN e.V.
„Begrüßung und Einführung“

 

Ministerin Barbara Steffens

Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter
„Teilhabe und Selbstbestimmung von Anfang an mitdenken!“

 

Karl-Eugen Siegel

stellv. Vorsitzender SHV – FORUM GEHIRN e.V.
„Inklusion für Betroffene! – und die Angehörigen?“

 

Dr. med. Markus Ebke

Chefarzt Neurologie, Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik
„Neurologische (Früh-) Rehabilitation“

 

 

 

 

 

 

 

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Neurologische (Früh-) Rehabilitation

Voraussetzung zur Teilhabe am Leben für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (MeH)

Koeln1111Die Besonderheit der neurologischen Frührehabilitation ist die, dass sie aus dem gewohnten System, der Akutversorgung mit anschließender Rehabilitation, herausfällt. Die lebensbedrohliche Situation eines schwerst hirngeschädigten Patienten ist die, dass, obwohl noch lebensbedrohliche Ereignisse (Beatmung, Herz-Kreislauf, vegetative Entgleisungen, etc) vorliegen, mit der Rehabilitation begonnen werden muss. Bei Schlaganfallpatienten stehen hierzu die speziell ausgerichteten Strokeunits zur Verfügung. Für den schwerst Hirngeschädigten (z.B. Wachkomapatient) ist dies zunächst die Intensivstation (Akutphase A) mit der Überleitung in die immer noch überwachungspflichtige Phase B der Frührehabilitation. Unabhängig davon, ob dieses Bett in einem neurologischen Akutkrankenhaus oder in einer spezialisierten neurologischen Rehaklinik steht, wird dieses Bett im Krankenhausbedarfsplan geführt und unterliegt den Bedingungen der Akutbetten. Da im „Normalfall“ die Akutkliniken eben nicht für Rehabilitation zuständig sind und auch nur bedingt therapeutische Leistungen anbieten können, andererseits die neurologischen Rehaeinrichtungen keine Zuteilung von Phase B – Betten haben, ergibt sich, obwohl planerisch und auch gesetzeskonform, in der Praxis eine Rehabilitationslücke. Wir berichteten bereits mehrfach über die Bemühungen aller Beteiligten. Siehe dazu Ländernews/NRW

Im Interesse der neurologisch Erkrankten in NRW muss diese Lücke unbedingt und rasch geschlossen werden.

Dafür setzt sich nicht nur der Bundesverband SHV – FORUM GEHIRN e.V., der Veranstalter dieser Veranstaltung ein, sondern auch der Zusammenschluss „Selbsthilfe für Schädelhirnverletzter in NRW“ mit den Sprechern Manfred Ernst und Jürgen Moratz, sowie der „Landesarbeitsgemeinschaft NeuroRehabilitation in NRW“ ein Zusammenschluss von Rehabilitationseinrichtungen und weitere.

„Mit diesem Fachtag möchten wir das entsprechende Bewusstsein für diese Problematik schaffen und praktische  Umsetzungsvorschläge erarbeiten. Dabei ist es mein ganz persönliches Ziel, ein Netzwerk für Schädelhirnverletzte in NRW einzuführen, bei dem alle am Rehabilitationsprozess Beteiligten, unter Mitwirkung des Gesundheitsministeriums und der Krankenkassen, einbezogen werden.“ so Karl-Eugen Siegel der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands SHV – FORUM GEHIRN e.V. Seiner Meinung nach könnten dadurch viele Schnittstellenproblematiken zwischen den einzelnen Phasen von  A bis F vermieden werden.

Der Fachtag findet am 11. November 2914 in der Fachpflegeeinrichtung „Haus Monika“, Kölner Straße 64, 51149 Köln statt.

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Barbara Steffens, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter wird am Fachtag als erste Referentin auf die besondere Aufgabe ihres Ministeriums verweisen mit dem Thema:

Teilhabe und Selbstbestimmung von Anfang an mitdenken!

„Jeder Mensch hat ein Recht  auf ein selbstbestimmtes Leben und Teilhabe an der Gesellschaft. Krankheit und Pflegebedürftigkeit werden noch zu Defizit orientiert be­trachtet. Wir müssen die Potenziale der Menschen zum Ausgangspunkt des Denkens und Handelns nehmen und uns intensiv mit den Möglichkeiten und Chancen von (Früh-) Rehabilitation beschäftigen.“ so die Ministerin zu ihrem Thema.

Moderiert wird die Veranstaltung durch den bekannten Journalisten Jürgen Zurheide, der seit mehr als 20 Jahren die politische Landschaft in Nordrhein-Westfalen beobachtet. Er schreibt für Zeitungen und berichtet im WDR-Hörfunk über Land und Leute.

 

Welche Zellen geben im Hirn den Takt vor?

network_gehirnHeidelberg, den 13.10.2014

Bearbeiten Netzwerke von Nervenzellen im Gehirn eine gemeinsame Aufgabe, synchronisieren sie ihre Aktivität in Schwingungen einer bestimmten Frequenz. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun die Taktgeber verschiedener Rhythmen identifiziert: Dabei geben unterschiedliche Zellgruppen jeweils ein anderes Tempo vor. Die Ergebnisse sind jetzt in Nature Neuroscience erschienen.

Wenn Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren, geben sie elektrische Signale häufig in einer bestimmten Frequenz weiter und pendeln sich so auf einen gemeinsamen Rhythmus ein. Verschiedene Frequenzen sind – so die gängige Hypothese – mit unterschiedlichen Hirnleistungen gekoppelt, etwa der Steuerung von Bewegungen oder der Wahrnehmung von Gegenständen. Doch wie finden die Zellen in den richtigen Takt? Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun in einem bestimmten Hirnbereich, dem Riechkolben von Mäusen, die Zellgruppen ausgemacht, die anderen Neuronen ihren Rhythmus aufzwingen. Es zeigte sich: Für jede der zwei untersuchten Frequenzen ist jeweils ein anderer Zelltyp zuständig. Die nun in Nature Neuroscience erschienenen Ergebnisse werfen ein erstes Licht auf die Entstehung des bisher wenig verstandenen Phänomens der Gehirnrhythmen. Sie schaffen zudem eine wichtige Grundlage zum besseren Verständnis verschiedener Erkrankungen wie der Epilepsie oder Schizophrenie, die mit Störungen eben jener Rhythmen einhergehen.

Seit in den 1920er Jahren erstmals elektrische Potentiale des Gehirns gemessen wurden, ist bekannt, dass Nervenzellen im Gehirn rhythmisch aktiv sind. Wie auf Absprache geben sie ihre Signale in bestimmten Frequenzen weiter, wobei sich diese auch überlagern oder abschwächen können: Mit Hilfe dieses Feintunings kann das Gehirn auf verschiedene Reize angemessen reagieren. Den Sinn dieser Rhythmen erklären sich Physiologen nach einer gängigen Hypothese wie folgt: Für die Verarbeitung ein und desselben Reizes sind in der Regel mehrere Hirnareale gefragt. Um zu prüfen, ob man z.B. eine vorbeigehende Person kennt, muss das Gehirn – vereinfacht dargestellt – auf die Bewegung reagieren, das Bild verarbeiten, die Gesichtsfelderkennung aktivieren und mit der Erinnerung an bekannte Menschen abgleichen. Damit dabei kein Chaos aus zig unzusammenhängenden Meldungen entsteht, pendeln sich die in den Gesamtprozess eingebundenen Netzwerke von Nervenzellen gewissermaßen aufeinander ein.

Zu häufig im Gleichtakt: Überreaktion der Nervenzellen verursacht epileptische Anfälle

 „Diese Hypothese wird derzeit intensiv erforscht. Momentan weiß man weder wie oder wo diese Rhythmen entstehen, noch was genau sie bewirken“, sagt Seniorautor Dr. Andreas Schäfer, der inzwischen vom Institut für Anatomie und Zellbiologie des Universitätsklinikums Heidelberg an das University College in London gewechselt ist. Fehler in diesem System haben gravierende Folgen. Bei Epilepsie synchronisieren sich Hirnareale ohne ersichtlichen Grund. Es kommt zu den typischen Krampfanfällen. Anders bei der Schizophrenie: Diese Erkrankung geht mit gestörten Rhythmen im Stirnlappen des Gehirns einher. Die Betroffenen leiden u.a. unter Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Bei beiden Erkrankungen wäre es hilfreich, die fehlgesteuerten Taktgeber zu kennen. So könnte man der Ursache der Erkrankung näher kommen und passende Therapien entwickeln.

Das Team um Dr. Schäfer erforschte den Entstehungsort der Rhythmen in einem überschaubaren Modellsystem, dem Riechkolben von Mäusen. In diesem Gehirnareal werden Signale der Geruchszellen in der Nase verarbeitet, eingeordnet und unterschieden. Die Wissenschaftler schalteten bei genetisch veränderten Tieren einzelne Zellgruppen im Gehirn durch die Bestrahlung mit Licht vorübergehend aus. Mit dieser aktuellen, sogenannten optogenetischen Methode entdeckten sie, dass die beiden wichtigsten Signalfrequenzen des Riechhirns, die schnelle Gamma- sowie die deutlich langsamere Theta-Frequenz, von unterschiedlichen, bereits bekannten Zellgruppen dieses Gehirnbereichs erzeugt werden, den Körner-Zellen und den glomerulären Zellen. Ihr Zusammenwirken ermöglicht die Unterscheidung von Gerüchen. „Mit dieser Arbeit haben wir gezeigt, wie unterschiedliche Rhythmen zustande kommen und dass jeweils andere Zelltypen dafür verantwortlich sind“, so Schäfer. „Das ist ein wichtiger Schritt, um die Signalverarbeitung im Gehirn zu verstehen.“

Literatur:
Fukunaga, I., Herb, J., Kollo, M., Boyden, E.S., Schaefer A.T. (2014): Independent control of gamma and theta activity by distinct interneuron networks in the olfactory bulb. Nature Neuroscience 2014 Sep;17(9):1208-16. doi: 10.1038/nn.3760

siehe auch:

Kollo, M., Schmaltz, A., Abdelhamid, M., Fukunaga, I., Schaefer A.T. (2014): „Silent“ mitral cells dominate odor responses in the olfactory bulb of awake mice. Nature Neuroscience 2014 Oct;17(10):1313-5. doi: 10.1038/nn.3768.

 

 

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

Foto: pixabay

Start in den Beruf für Patienten mit ZNS-Erkrankungen besonders schwierig

BerufsstartDüsseldorf, den  29. September 2014

Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Krankheiten haben es besonders schwer, wieder in den Beruf einzusteigen. Ein Grund dafür ist, dass manche Krankheitsfolgen unauffällig sind, sich erst im Laufe der Wiedereingliederung zeigen und oft übersehen oder fehlgedeutet werden. Darauf hat der Spitzenverband ZNS (SPiZ) auf der 50. wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) am 25. September in Erlangen hingewiesen.

„Gerade geringere und unterschwellige Funktionsdefizite können die Belastbarkeit im Alltag und im Beruf deutlich vermindern und zum Scheitern einer beruflichen Eingliederung führen“, erläuterte Dr. Paul Reuther auf der Jahrestagung. Reuther ist Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN) und Leiter eines ambulanten neurologischen Rehabilitationszentrums. „Das betrifft allein im neurologischen Bereich jedes Jahr zwischen 70.000 und 100.000 Menschen in Deutschland“, machte der Reha-Experte die Dimension deutlich.

Das Problem sind laut Reuther zunächst kaum messbare sogenannte neuropsychologische Defizite, die sich aber unter beruflicher oder sonstiger Belastung wieder zeigen. Der Betroffene erledige Tätigkeiten zunächst gut, werde dann beispielsweise langsamer als gewohnt, habe Schwierigkeiten, sich länger zu konzentrieren und ermüde schneller. Diese Defizite können unter anderem nach Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Multipler Sklerose oder aber nach einer diffusen Minderversorgung des Gehirns nach längerer künstlicher Beatmung oder Herzoperationen auftreten. Insbesondere bei den leicht- oder mittelgradigen dieser Fälle kommt es häufig zu Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung in den Beruf. Grund dafür ist, dass der Betroffene selbst, seine Familie und seine Arbeitswelt die verminderte Belastbarkeit häufig verkennen. „Sie sehen eine vordergründig sehr erfolgreiche Gesundung der Gehirnerkrankung, erinnern sich an die gute Leistungsfähigkeit vor der Erkrankung und sind verwundert, warum sich unter der zunehmenden Arbeitsbelastung nun doch wieder Defizite zeigen“, erläuterte Reuther.

Ähnliche Probleme können auch nach psychiatrischen Erkrankungen wie einer Depression die Rückkehr in den Beruf erschweren. „Zusätzlich ergeben sich bei psychiatrischen Patienten möglicherweise Probleme von Seiten der sozialen Situation, von eventuell bestehenden Abhängigkeitserkrankungen oder Konflikten am Arbeitsplatz“, sagte Dr. Oliver Biniasch, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP), auf der Tagung. Besonders problematisch werde die Situation, wenn der Betreffende schon vor der Erkrankung im Beruf überfordert war.

Die geschilderten neuropsychologischen Symptome der neurologischen und psychiatrischen Patienten sind behandelbar. „Wichtig ist, dass gerade Patienten mit leichteren oder mittleren Beeinträchtigungen ihre Arbeitsperspektive möglichst noch in der medizinischen Reha wieder ins Auge fassen und früh in die berufliche Wiedereingliederung einsteigen. Dabei müssen sie individuell und fachkundig betreut werden“, so Reuther. Patient, Arbeitgeber und Arzt sollten gemeinsam am Arbeitsplatz herausfinden, wie belastbar der Patient zum jeweiligen Zeitpunkt ist und welche Hilfen er noch benötigt.
„Der derzeitige Rehabilitationablauf greift bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen im Hinblick auf Arbeit oft zu kurz und zu spät. Er hört auf, wenn der Betroffene seine Arbeit wieder aufnimmt“ kritisiert auch der SPiZ-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann.

Der SPiZ fordert deshalb:

–    Der Gemeinsame Bundesausschuss sollte in der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf für neurologische und psychiatrische Patienten verbessern. Die auch „Hamburger Modell“ genannte stufenweise Wiedereingliederung muss im GKV-Bereich um eine therapeutische Begleitleistung ergänzt werden. Solche Begleitleistungen können Beratung, Koordination, Supervision oder Coaching umfassen. Diese Betreuung sollte flexibel erfolgen können, unter anderem am Arbeitsplatz selbst, weil dort die Probleme auftreten. „Eine neurokundige Begleitung der Belastungserprobung am eigenen Arbeitsplatz ist bisher im nachsorgenden Leistungsangebot der GKV nicht und bei der Gesetzlichen Rentenversicherung nur in geringem Umfang, zu kurz und oft sehr spät erst verfügbar“, so Reuther.

–    Kostenträger und Medizinischer Dienst der Krankenkassen sollten während der stufenweisen Wiedereingliederung weniger Zeit- und Erfolgsdruck auf den neurologischen oder psychiatrischen Patienten ausüben. Erfolgreiche Anpassungsarbeit benötigt bei neuropsychiatrischen Gesundheitsstörungen Zeit. Nur der beteiligte Neurologe, Psychiater oder Neuropsychologe sollten die stufenweise Steigerung der Arbeitszeit oder der Arbeitsinhalte vorgeben. Sie kennen den Patienten und seine Defizite am besten. Dabei sollten sie sich gegebenenfalls eng mit Arbeitgeber, Arbeitsmediziner oder Job-Coach abstimmen können. Diese Versorgungsleistungen müssen klar definiert werden und über die Gebührenordnungen der jeweiligen Beteiligten sicher finanziert sein.

 

Quelle: Bundesverband Deutscher Neurologen

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Reha-Leistung nach Wunsch – wie geht das?

Fragen – Meinungen – Antworten zum Thema „Wunsch- und Wahlrecht“

WahlrechtHeidelberg, den 23.09.14
Das Wunsch- und Wahlrecht ist ein Grundsatz aus dem neunten Sozialgesetzbuch. Danach müssen Rehabilitationsträger bei der Entscheidung über Leistungen und deren Ausführung den berechtigten Wünschen ihrer Versicherten entsprechen. Was genau heißt das? Können Versicherte sich ihre Reha-Maßnahme selbst aussuchen? Dürfen Krankenkassen die Wunsch-Klinik eines Patienten ablehnen? „Praktische und rechtliche Fragen des Wunsch- und Wahlrechts“ werden ab 18. September 2014 im moderierten Forum „Fragen – Meinungen – Antworten zum Rehabilitations- und Teilhaberecht“ zwei Wochen lang online diskutiert. An der öffentlichen Diskussion kann jeder mitwirken und schon vorab Fragen zum Thema einreichen.

Mit dem Wunsch- und Wahlrecht nach § 9 SGB IX wollte der Gesetzgeber die Selbst-bestimmung der Leistungsberechtigten stärken. In der Praxis tauchen Fragen auf, wenn Wünschen nicht entsprochen wird. Dann ist beispielsweise zu klären, was überhaupt ein „berechtigter Wunsch“ ist und warum eine bestimmte Reha-Einrichtung nicht in Frage kommt. Die Leistungsträger, darunter gesetzliche Krankenkassen, Renten- und Unfallversicherung, die Agentur für Arbeit und Sozialhilfeträger, haben einerseits die Pflicht zu beraten und über Rechte aufzuklären. Andererseits müssen sie auch begründen können, warum sie Anträgen für bestimmte Maßnahmen oder Kliniken stattgeben  bzw. im anderen Fall diese ablehnen.

Reha-Akteure, Sozialjuristen und Betroffene tauschen sich hierzu vom 18. September bis zum 2. Oktober im moderierten Forum „Fragen – Meinungen – Antworten zum Rehabilitations- und Teilhaberecht“ (Opens external link in current windowfma.reha-recht.de) aus.

An der anstehenden Diskussion nehmen unter anderem folgende Personen teil:

    Heidi Hauer, Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. (BSK), Mainz
    Dr. Wolfgang Heine, Rechtsanwalt, Berlin
    Marion Rink, BAG SELBSTHILFE, Düsseldorf
    Dr. Hans-Martin Schian, Arzt für Arbeits-/Sozialmedizin, Rehabilitationswesen, Wilnsdorf
    Prof. Klaus-Dieter Thomann, Ärztlicher Leiter, IVM Institut für Versicherungsmedizin, Frankfurt
    Fabian Walling, DRV Baden-Württemberg, Stuttgart
    Prof. Felix Welti, Sozialrecht der Rehabilitation und Recht der behinderten Menschen, Universität Kassel

Interessierte können ihre Fragen zum aktuellen Thema ab sofort unter Opens external link in current windowfma.reha-recht.de einreichen. Auch nach Beginn der Diskussion ab dem 18. September können noch Fragen gestellt werden. „Fragen – Meinungen – Antworten zum Rehabilitations- und Teilhaberecht“  ist ein Angebot von Opens external link in current windowwww.reha-recht.de in Trägerschaft der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR). In dem moderierten Forum wurden bereits die Themen „Stufenweise Wiedereingliederung“ und „Hilfsmittelversorgung“ behandelt. Die Diskussionen werden jeweils in einem Beitrag zusammengefasst und im Reha-Recht-Portal veröffentlicht, außerdem stehen sie weiterhin bei „Fragen – Meinungen – Antworten“ zum Nachlesen zur Verfügung.

Weitere Informationen zum aktuellen Thema und zur Teilnahme sind unter fma.reha-recht.de zu finden. Über Details und Termine informiert auch der kostenlose Newsletter des Reha-Recht-Portals, der unter Opens external link in current windowwww.reha-recht.de/newsletter abonniert werden kann.

Über die DVfR
Die DVfR ist die einzige Vereinigung in Deutschland, in der Vertreterinnen und Vertreter aller Akteure im Bereich Rehabilitation und Teilhabe gleichberechtigt zusammenwirken: Selbsthilfe- und Sozialverbände, Sozialleistungsträger, Rehabilitationseinrichtungen und -dienste, Reha-Experten sowie Berufs- und Fachverbände. Die Mitglieder der DVfR und ihre Partner in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft engagieren sich gemeinsam in einem interdisziplinären und sektorenübergreifenden, konsensorientierten Diskurs zur Weiterentwicklung von Rehabilitation, Teilhabe und Selbstbestimmung.

Über www.reha-recht.de
Die besondere Konstruktion des SGB IX als übergeordnetes Gesetz für die Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen führt noch immer zu Problemen bei der Rechtsanwendung. Das Diskussionsforum Rehabilitations- und Teilhaberecht unter www.reha-recht.de dient mit seinem interaktiven Angebot „Fragen – Meinungen – Antworten“ als Plattform für die Verbreitung nicht hinreichend bekannter Rechtsnormen, der aktuellen Rechtsprechung und ihrer Auslegung sowie der Diskussion von Rechtsfragen in der juristischen Fachöffentlichkeit und bei den Akteuren in Betrieben und Institutionen. Ziel ist es, die Anwendung und Weiterentwicklung des Rehabilitationsrechts zu unterstützen.

Quelle: Deutsche Vereinigung für Rehabilitation e.V.

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